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Von Dr. Malte Hozzel

Kräuter setzen ihre ätherischen Öle nur durch spezielle Extraktions-verfahren frei. Wir müssen entweder Dampf mit Siedetemperatur, Druck (CO2-Extraktion) oder chemische Trennmittel verwenden.
Und je niedriger der Destillationsdruck, desto weniger Temperatur wird benötigt. Die Alchemisten sagten: Destillation = Sublimation

Dieses Bild zeigt die Natur, die in einem Stuhl des Lebensbaums sitzt, der die Destillation darstellt. Sie fordert den Alchemisten auf, sein enges mechanistisches Denken hinter sich zu lassen und ihr zu folgen, heißt: folgen zum subtilen Verständnis der im tieferen Sinne menschlichen Transformation.

Destillation von Kräutern bedeutet „Wirbel“ erzeugen…

Und dies bedeutet Erhitzen und Abkühlen, Ausdehnen und Kontrahieren, manchmal mehrmals rasch nacheinander im Wechsel – die Polarität der Natur durchlaufen in nur wenigen Stunden.

Unserer eigene „Selbst-Destillation“ ist nichts anderes: Ausdehnen und Zusammenziehen im ständigen Wechsel – Polarität von Gefühlen und Gedanken, ständig, millionenfach: wir werden alle in derselben Vortex-„Suppe“ verwirbelt – bis die Arbeit, das „Opus“ vollbracht ist. In der Alchemie wird dieser Prozess als „Solve et coagula“ = „Löse und verbinde“ bezeichnet – d.h. Verdampfung und Kondensierung. Also der Wechsel zwischen dem „Leichten“ und dem „Schweren“, den ätherischen und physischen Elementen. Genau dies geschieht bei der Destillation, wenn die Essenz der Pflanze, das ätherische Öl, aus den subtilen pflanzlichen Drüsen freigesetzt wird und verdampft – und sich dann wieder im Vortex des Kondensators verdichtet.

Auf unsere eigene Erfahrung bezogen: Bevor wir uns von den Begren-zungen unseres Körpers befreien, müssen wir MIT ihm lernen. Und das bedeutet: Wir müssen uns selbst „destillieren“. D.h. wir müssen durch einen inneren „Verwirbelungs“-Prozess, einen Prozess des sich Zusammenziehens und Ausdehnens hindurchgehen. Wir müssen also das „auf und ab“ des menschlichen Zustands akzeptieren, das Beste daraus machen, es als notwendige „Laborarbeit“ auffassen, die wir uns – um ehrlich zu sein – selbst ausgesucht haben, um frei zu werden, um unsere eigene Essenz zu leben.

Und dies bedeutet die Entdeckung unserer eigenen feinstofflichen Energie, die mit der universalen Energie harmonieren will und die – zunächst unbewußt – durch uns hindurchfließt. In anderen Worten: es ist die Energie im Zentrum unseres inneren „Lebensbaumes“, unserer Wirbelsäule – heißt: die „Schlangenkraft“ (Ayurveda: Kundalini) in unserem eigenen physio-sprituellen System Mensch.

Zurück zum Kräuter-Destillieren

Ein spezieller Destillationsprozess wird „Vakuum-Destillation“ genannt. Das bedeutet, man destilliert mit wenig oder gar keinem Druck, damit die Siedetemperatur niedriger ist. Auf dem Mount Everest könnte man wahrscheinlich schon bei 78 Grad destillieren (auf dem Mont Ventoux in der Provence vielleicht bei 96 Grad). Das kann bei bestimmten Pflanzen interessant sein, vor allem bei jenen, die sehr zart sind wie die Blüten-blätter der Rose. Das machen die Perser, wenn sie Rosen in 3000m Höhe destillieren, wo der Druck niedriger ist als auf ein paar hundert Metern.

Wie wir sehen, es ist das Prinzip: Je niedriger der Druck in der Atmosphäre oder im Inneren der Destillations-Anlage ist (z.B. wenn der Druck durch die Schaffung eines Vakuums bei Null liegt), umso niedriger wird die benötigte Temperatur sein, um das Wasser zum Kochen zu bringen und Dampf zu erzeugen. Das Resultat hängt von den Pflanzen ab.

… und es ist gut, sich an das Prinzip dieser „Vakuumdestillation“ zu erinnern:

Zarte menschliche Pflanzen, vor allem die menschlichen „Blütenblätter“, sollte man selbst bei geringem Druck und geringer Temperatur destillieren. Für die robusten Anteile einschließlich der festen Stängel und Blätter genügt durchaus ein normales Gerät. Die Destillation bei geringem Druck und geringer Temperatur erfordert eine komplizierte Vorrichtung, die jedoch die Investition wert ist, um ein besseres Ergebnis zu erzielen, stimmt’s?

Und wenn man sich die Holpersteine bei diesem Prozess anschaut, der zwischenzeitlich zu allen möglichen „Störungen“ oder fehlgeleiteten Ausrichtungen führen kann, wie disharmonische Gefühle, emotionale Turbulenzen, Unwohlsein.

Doch all das ist eigentlich nichts anderes als ein ständig erneutes Aus-balancieren des Energiesystems unseres Körpers, vor allem auf der Ebene der Wechselwirkung zwischen Herz und Geist, Gefühl und Denken. Man kann auch sagen: es ist ein überwinden des  Ungleichgewichts von Anziehung und Ablehnung, Ja und Nein, Liebe und Hass, Integration und Frustration…

Destillation also: Lektionen, um den wahren Sinn unseres Menschseins zu verstehen

Was auch damit zu tun hat, dass man weder versteht noch dazu erzogen wurde zu verstehen, dass der Weg zu äußerer und innerer Freiheit ab-sichtlich mit Hindernissen gepflastert ist. Denn Hindernisse bedeuten Kontraktion und Hindernisse zu überwinden bedeutet De-Kontraktion.

Der Körper mit seinen tausend Bedürfnissen, Unzulänglichkeiten, Schwierigkeiten, Schmerzen und der Geist mit seinen tausend Abhängigkeiten vom Körper und seiner „unerzogenen“ Form des Denkens ist das Hauptproblem auf diesem Weg. Doch scheinbar wollten wir das so. Wir wollten einen Körper als Laboratorium, um den Umgang mit uns und der Welt zu lernen. Wir wollten diese Herausforderungen, um unsere Evolution zu beschleunigen. Schließlich ist es in der Astralwelt zu leicht oder?

Das drückt das deutsche Sprichwort „Stirb und werde“ aus, engl. „die and be-come“, übersetzbar mit „stirb und komme zum Sein“.

Stirb und werde – die Stufendynamik zur Seele

Und deshalb müssen wir „destilliert“ werden, „verwirbelt“ werden – und noch einmal: wir wollten es so.

In der alten indischen Philosophie oder Mythologie wird dieser Prozess in der Geschichte vom QUIRLEN DES MILCHOZEANS dargestellt – der kosmischen Polarität von Kontraktion und Expansion. „Naga“, der König der Schlangen, genannt Vasuki, ist um den Berg Mandara gewunden, der mitten im Ozean schwimmt. Vishnu, inkarniert in Form einer großen Schildkröte, trägt den Berg. Die Devas (Halbgötter) und Asuras (Dämonen) machen über Tausende von Jahren Tauziehen am Körper der Naga, um das Wasser des Ozeans zu quirlen und dadurch den Nektar der Unsterblichkeit, „Amrita“, zu erzeugen.

Das Quirlen des Milchozeans, dargestellt auf einem vedischen Gemälde aus Indien.

Wie beschreibt Patrizia Norelli-Bachelet, Gründerin des „Aeon Centre of Cosmology“, diesen Vorgang ?

„Diese schöne Geschichte der Quirlung des Milchozeans ist zwar einerseits sehr einfach, doch andererseits enthält sie die Einzelheiten eines tiefgründigen okkulten Vorgangs. Sie veranschaulicht die „alche-mistische“ Dynamik zwischen zwei entgegengesetzten Kräften, die den Übergang vom Chaos zum Kosmos bewirkt. Der wichtigste Aspekt der Geschichte über das Quirlen ist die Erzeugung einer axialen Ausrich-tung, eines stabilen Punktes, um den sich die dynamische Bewegung erzeugt. Die Quirlung findet in der spirituellen menschlichen Struktur statt – in unserem eigenen „Ozean des Bewusstseins“. Das ist die Ebene, auf der die feinstoffliche (mikrokosmische) Ausrichtung im Menschen der makrokosmischen Ausrichtung folgt.“

Und so ist es: Auf der feinstofflich-energetischen Ebene ist die Quirlung eine wirbelnde „dynamische Bewegung“ von Energien der menschlichen „Kundalini“ in der ‚Wirbelsäule. Und die „Ausrichtung“ bedeutet die Integration entgegengesetzter Kräfte in uns – vor allem auch die Harmo-nisierung zwischen dem männlichen und dem weiblichen Prinzip – von Animus und Anima (C.G.Jung), Sonne (Ayurveda: „Pingala“) und Mond (Ayurveda: „Ida“) im „Lebensbaum“ unserer Wirbelsäulenachse.

Der rote König und die weiße Königin in der Alchemie – ständig auf die Reintegration der Gegensätze bedacht…

Und so beschreibt die Theosophie (Krishnamurti) diese „Quirlung des Milchozeans“ :

„Sie wird ‚samudra manthan‘ genannt. Wir könnten den Geist mit einem Ozean vergleichen, in dem sich Wellen von Gefühlen und Gedanken erheben. Oft benutzen wir das Wort ‚manomanthari‘ für das große Quir-len im Geist, wenn wir vor schwierigen Situationen stehen oder uns nicht entscheiden können, welchen Weg wir einschlagen sollen. Wenn unser Geist in zwei verschiedene Richtungen gezogen wird, befindet er sich in einem solchen Prozess intensiver Quirlung und ein großer Aufruhr geschieht.“

(http://ultindia.org/tm_magazine/TMJan10.pdf)

Wir Menschen „leben und gedeihen“ im weitesten Sinn, um die inneren zerebrospinalen Energien zu erwecken, damit wir einerseits zunehmend den vielfältigen Herausforderungen der äußeren Welt auf harmonische Weise gewachsen sein können und andererseits, damit wir den Nektar unserer eigenen Unsterblichkeit, den „Amrit“ der Seele in der Einheit mit dem Universum erfahren lernen.

Wenn dieser Energiefluss – oder die Übertragung kosmischen Pranas in unsere Psychophysiologie – sich zu sehr reduziert oder sogar unterbrochen wird, können viele Krankheiten oder sogar degenerative Krankheiten wie Krebs usw. auftreten.

Schlussfolgerung

Die menschliche Evolution hat ihren inneren Sinn in der Wechselbeziehung von entgegengesetzten Energien oder Kräften, die passend durch den Prozess der Selbstdestillierung veranschaulicht wird. Er führt dazu, die Quintessenz von sowohl Materie (Körper) als auch Energie („Seelenstoff“) zu gewinnen und beide Elemente zu versöhnen.

Und dieser Prozess bedeutet

  • die Harmonisierung aller Gegensätze
  • die Versöhnung der erdenden und der ätherischen Energien in uns
  • das „wie oben so unten“-Prinzip (Alchemie) integrieren
  • das Ende des Kampfes zwischen dem „Adler“ und der „Schlange“      (oder dem Drachen), von dem z.B. die germanische Mythologie   spricht. (vgl. auch die aztekische Mythologie von Quetzalcoatl, der       gefiederten Schlange)
  • die Verbindung des Basis-Chakras mit dem Scheitel-Chakra
  • die Versöhnung von Ida und Pingala – des männlichen und         weiblichen Prinzips in jedem von uns
  • der Aufstieg der „Sushumna“ (zentrale Wirbel-Säulen-Energie)   und die „Ent-wirrung“ der Wirklichkeit im Verständnis des „Paradox“ von Existenz und Sein.

In Wirklichkeit sind wir alle einfach strahlende Lichtkugeln. Energien, die überall durch das Universum pulsieren. Und diese Energien haben bestimmte Schwingungsfrequenzen – und diese Frequenzen bestimmen die Entwicklungsschritte, die wir in unserem Leben kreieren. Wir haben zweifellos mit Sicherheit die Wahl. Das Gute ist, dass diese Frequenzen durch positive Gedanken, Gefühle, Handlungen, Ernährung angehoben werden können und auch durch ätherische Öle.

Das Destillieren von Kräutern ist letztlich einfach ein Vorgang, der uns zeigt, wie Heilpflanzen ihre Essenz freigeben können. Und dieser Vorgang kann eine Metapher dafür werden, wie Menschen ihre Essenz freisetzen können, indem sie Zugang zu ihren tieferen, feineren Energien in sich suchen.

Im Grunde geht es darum, die Antwort auf die ewige Suche der menschlichen Seele zu finden. Was ist „Himmel“, was ist „Erde“? Was ist das verborgene „oben“ hinter dem Geheimnis unseres Lebens, das Rätsel unserer selbst. Wenn das „oben“ „unten“ gefunden werden kann –  wie können wir Zugang dazu bekommen, wie können wir es verstehen und es in unser Leben integrieren?

Doch damit der Mensch auf seine innersten Energien zugreifen kann, muss er gereinigt, entgiftet und als ein neues Wesen „wiedergeboren“ werden. Er muss „destilliert“ oder „verzehrt“ werden.

Quetzalcoatl, einen Mann verschlingend
Alfa Romeo Logo

Und was bedeutet das?

„Zerlege das Ich in Nichts, lege alles offen, um es zu überprüfen. Indem man Selbsterkenntnis in Bezug auf das eigene Wesen und die eigene Beziehung zu Gott erlangt, wird die Seele geläutert, die Unreinheiten werden ausgelöscht, und sie wird rein, ungeteilt.“

https://www.thoughtco.com/alchemical-sulfur-mercury-and-salt-96036

Und noch einmal: Das ist der Sinn der Selbstdestillierung oder des Quirlens – der Sinn der Alchemie der menschlichen Entwicklung. Denn Quirlen im Vortex des Lebens bedeutet, dem näher zu kommen, was wir in Wirklichkeit sind, näher zur Seele oder zum „Körper der Glückselig-keit“ (Anandamaya Kosha), wie es die Vedischen Schriften des alten Indiens beschreiben.

Und das ist auch ein Vorgang des Sich-Öffnens und Sich-Schließens des inneren Lebensstrudels – millionenfaches JA und NEIN, LIEBE und HASS, INTEGRATION und ABNEIGUNG, AUSDEHNUNG und ZUSAMMENZIEHUNG unserer eigenen „vegetativen“ Energien – verdampft und kondensiert, wieder verdampft und wieder kondensiert, um endlich das Licht freizusetzen, das duftende Licht unserer unsterblichen Lebensblume.

…und ätherische Öle verhelfen uns in vielfältiger Weise zu dieser Wiedergeburt im Geist

Botschafter des Lichts und der kosmischen Energie, die sie sind, unter-stützen sie unsere tägliche Meditation auf kraftvolle Weise und erheben unser Bewusstsein – durch „Körper-Gewahrsein“ und „Gewahrsein des Denkens und Fühlens“ zum höheren Selbst.

Von da aus „verbinden“ wir uns tatsächlich – in dem Sinne, dass wir die Glückseligkeit des Zusammenseins erschaffen und leben, zusammen mit uns UND der Welt. Dort haben wir die Abweichungen und Verfälschungen all unserer mentalen, psychologischen, sozialen und ökologischen Eindrücke und Traumata hinter uns gelassen. Dort haben wir „es verloren“ – weil wir es gefunden haben.

ES im Sinne der Wirklichkeit des Menschen, wie die Göttliche Intelligenz sie „beabsichtigt“ hat.