Hoch gewachsen, stark und immergrün. Auch wenn alle anderen Bäume am Anfang des Winters ihre Blätter verlieren, offenbart sich eine Familie majestätischer Bäume noch in ihrer ganzen Kraft: Die Koniferen. Sie erheben sie sich gen Himmel, als ob die nun einbrechende Kälte ihr wahres Element wäre. Zahllos sind ihre Blätter, verdichtet zu scharfen Nadeln, die sich nach allen Richtungen hin erstrecken. Sie verströmen Düfte, die das Atmen durch ihre „grünen“ Aromen und ätherischen Öle erleichtern und kräftigen.

Standhaft, stolz und ausdauernd inmitten von schneidender Kälte, von Wind und Schnee, sind Koniferen wirkliche Überlebens-Künstler. Ihre ätherischen Öle, vornehmlich aus den Nadeln destilliert, manchmal jedoch auch aus ihrer Rinde, ihrem Holz oder Harz, beschenken uns mit all den geheimen Gaben, welche diese erstaunlichen Pfeiler des „Lichts im Wald“ uns überhaupt darzubringen vermögen. In der Tat benötigen diese Bäume ihre Öle und Harze als wärmende Energien, um den extremen Temperaturen standzuhalten, denen sie oft genug ausgesetzt sind.

 

Methuselah – Pinus longaeva

„Methuselah“, einer, wenn nicht sogar der älteste lebende Baum auf Erden, ist eine Konifere aus der Gattung der Pinien (Pinus longaeva): er überlebt seit über 4.800 Jahren im eiskalten Klima der Berge von Ost-Kalifornien. Die Aromatherapie bietet uns eine breite Palette von Ölen an, die aus Koniferen destiliert werden. Von der eindrucksvollen Riesen-Tanne, einem der größten Koniferen-Bäumen der Welt, bis zu dem kleinwüchsigen, jedoch mächtigen und schützenden Wachholder. Alle diese Öle besitzen eine sehr starke charakteristische Note und zeichnen sich durch ihre wärmenden und kräftigenden Energien aus.

Insbesondere Tannen, Fichten und Kiefern verfügen ihrer Natur nach über frisch-krautig-„grüne“ Duftnoten, wohingegen andere Koniferen, wie z.B. die Zypressen über eine Anzahl andersartiger Düfte verfügen mögen. Doch selbst die Öle einer Patagonia-Kiefer, einer Silbertanne oder einer Schwarzfichte heben sich ab mit ihren elementar unterschiedlichen Duftnoten innerhalb variabler Verbindungen.

Ihre Öle heben die Stimmung, regen an und kräftigen. Im Zusammenspiel mit dem nervalen und endokrinen System haben sie einen Anteil bei der Ausschüttung von Hormonen und Neurotransmittern (z.B. Noradrenalin, Dopamin, Vasopressin etc.) und vermögen unsere Energien zu regenerieren sowie Stärke, Motivation, Wärme und Widerstandskraft zu fördern. Gleichzeitig neigen sie dazu, uns zu erfrischen sowie unseren inneren Raum zu klären und aufzuschließen. Dies erklärt, warum Koniferen-Öle während der Wintermonate so kostbar sind, in einer Zeit, die unsere Energie-Reserven und unsere Ausdauer ganz besonders beansprucht und gewöhnlich jene Jahreszeit ausmacht, in der wir einer Art von emotionalem Aderlass ausgesetzt sind.

Die ätherischen Öle der Koniferen vermögen uns durch die stressreiche Turbulenz jahreszeitlich bedingter und anderer Herausforderungen hindurch zu tragen, indem sie uns Festigkeit, Standhaftigkeit und Unabhängigkeit schenken. In besonderer Weise wirksam sind sie, wenn man sie zum Baden sowie in Zerstäubern die kalten, feuchten Monate hindurch benutzt, wo manch einer zu jahreszeitlichen Gemüts-Schwankungen neigen mag, und zu depressiven Stimmungen, welche nicht selten mit ihnen einher gehen.

Schaut man sich die sogenannte „Signatur“ der Koniferen an, so mag uns ihr komplexes Netzwerk von Zweigen und Nadeln in gewisser Weise an die innere Struktur unserer eigenen Atem-Organe, die Lungen, erinnern. Die ätherischen Öle der Koniferen sind in der Tat sehr gute Verbündete bei der Unterstützung von Problemen in Verbindung mit unserem Atemsystem, wobei sie uns als gute Expektorantien bei der Schleimlösung helfen.

 

Grenzenlose Energie

Riesentanne, Schwarzfichte oder Schottische Kiefer (oder besser eine Mischung von allen dreien) lassen uns gehen und gehen, ohne zu ermüden. Ihr erstaunlicher, molekularer Aufbau, der auf einer Verbindung von Monoterpenen basiert, verleiht uns all die Ausdauer und den nötigen Mut für die Durchführung und den Abschluss waghalsiger Projekte. „Wald-Baden“, wie die Japaner eine therapeutische Methode nennen, im Wald unter Koniferen-Bäumen spazieren zu gehen, revitalisiert das Immunsystem, wenn man die heilenden Energien dieser Bäume tief einatmet.

 

Mentale Klarheit

Einige andere Essenzen wie die der Hemlock-Tanne und der Douglas-Tanne mit ihrem tieferen, subtileren und flüchtigen Duft versorgen uns mit größerer mentaler Energie, Klarheit und Konzentration. Gleichzeitig üben sie eine beruhigende und sedierende Wirkung auf uns aus.

 

Zentriert bleiben

Schwarzfichte, Steinkiefer, Schottische Kiefer und Lärche vermitteln eine tiefere, holzig-harzige Grundnote. Sie erden mehr und helfen uns mit ihrer Eigenschaft, zentriert und fokussiert zu bleiben, so dass wir unsere Projekte mit Optimismus und Kraft verwirklichen können, indem wir unsere Füße fest auf der Erde verwurzelt halten. 

 

Emotionales Gleichgewicht

Sibirische Tanne, Nordmann-Tanne, Silbertanne und Sitka-Fichte besitzen eine mehr zitronenartige Note, die im Fall von mentaler Verwirrung und emotionalem Stress Klarheit zu schaffen vermag. „ Atme tief durch und entspanne dich“ – das ist das generelle Motto aller Koniferen-Öle. Sie vermitteln uns einen sinnlichen Eindruck von Frieden, indem sie uns an die Stille eines Winterwaldes erinnern.

Ihre Eigenschaft lässt sich mit Geduld und Ruhe umschreiben, allerdings mit einem vitalen, warmen und stärkenden Einschlag. Aus botanischer Sicht mögen sie keine sonderlichen Signale schnellen Wachstums aufweisen, doch in Wahrheit ist ihr Wuchs geprägt von großer Ausdauer, selbst im Anprall von Stürmen und extremen Temperaturen, denen sie häufig ausgesetzt sind.

 

Reinigend

Ein anderes interessantes Öl von immergrünen Bäumen ist das des Wachholders. Es wird durch die Destillation seiner Beeren und Nadeln gewonnen. Es vermag den Körper bei seiner Entgiftung und Selbstreinigung zu unterstützen, speziell nach großen Ess-Attacken oder in Folge von falscher Diät.

Oft findet das Öl Anwendung in Verbindung mit Nieren- und Lymphreinigung. Nicht zu vergessen: Wacholder ist sehr hilfreich im Falle von Muskelschmerzen, Rheuma sowie Verletzungen und wird von Leuten manchmal benutzt, um abzunehmen. Aus psychologischer Sicht hilft Wacholderöl sehr gut, die Motivation anzukurbeln und negative Gedanken loszulassen.

 

Beruhigend und Entspannend

Das lässt uns die tiefere und geheimnisvollere Welt der Zedern-Öle erkunden. Im Hinblick auf den Duft gruppieren sich die Zedern am gegenüber liegenden Ende des Spektrums: holzige, in gewisser Weise süß-erdige Noten herrschen hier vor in Verbindung mit einer fließenden, weichen Sanftheit. Die beiden hauptsächlichen Zedernholz-Öle innerhalb der Aromatherapie entstammen der Atlas-Zeder und der Himalaja-Zeder.  Ihre Wirkung ist wohltuend, erdend und stärkend mit einem tief entspannenden Einschlag.

Sie verkörpern klassische Düfte, basierend auf Verbindungen von Sesquiterpenen, welche man bis zu einem gewissen Grad mit Ölen vergleichen kann wie z.B. Myrrhe, Patchouli oder selbst Nagarmotha. Weniger als die frisch-krautigen Koniferen, die unsere Energien anheben und stimulieren, stärken und erden die Zedernholz-Öle unser Nervensystem. Ihre zentrierende und ausgleichende Wirkung erstreckt sich auch auf die Emotionen: Hier vermögen sie bei der Auflösung negativer oder irritierter Emotionen mitzuwirken und gleichzeitig unseren psychologischen Schutz zu festigen.

Ein großer Vorzug gründet sich auf ihre Fähigkeit, Ängste und nervöse Spannungen zu besänftigen und zu beruhigen. Schon allein sich gegen einen Zedern-Baumstamm zu lehnen vermag unser Bewusstsein zu stärken und anzuheben. Wissenschaftliche Studien verweisen darauf , dass Cedrol – eine der Hauptkomponenten des Zedernholz-Öls – den Herzschlag sowie den systolischen und diastolischen Blutdruck signifikant vermindert.

Darüber hinaus wird auch die Atemfrequenz herunter gefahren, wenn man sich dem Cedrol aussetzt, was Zedernholz zu einem ausgezeichnetem Öl für die Begleitung meditativer Praktiken macht (Cf. http://swiftcraftymonkey.blogspot.com).

 

Verbündete für den Winter

Alle diese erstaunlichen „Verbündeten für den Winter“ aus der Koniferen-Familie sind Naturwunder, die uns gegen alle Arten von jahreszeitlichen Krankheiten schützen, wie Erkältung, Grippe, etc. In der Tat besitzen sie insgesamt mächtige anti-bakterielle, anti-virale und auch anti-septische Eigenschaften, welche uns den nötigen Energieschub zur Stärkung unseres Immunsystems vermitteln.

Die Weihnachtslichter auf den Koniferen-Bäumen verkörpern ein schönes Symbol dieser wundervollen botanischen Familie, welche das immergrüne „clorophyll- geladene“ Licht der Sonne auf so schöne Weise in heilende Energie umwandelt, und deren Essenzen unser „inneres Licht“, unsere Energie und Freude speziell während der Winterzeit mit unterstützen.

Koniferen erinnern uns daran, dass wir selbst in Zeiten von minimalem Sonnenlicht, wenn alles in einen jahreszeitlichen Schlaf versunken scheint, immer noch Stärke aus der Erde beziehen können und uns vom Licht der Sonne nähren können, um auf dem Pfad unseres inneren Wachstums voranzuschreiten.

Von Dr. Malte Hozzel