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Kardamom – Die Königin der Gewürze

Von Dr. Malte Hozzel

Kardamom ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu 2-3 m hoch wächst. Sie hat weiße Blüten mit rot-blauen Streifen. Die Fruchtkapseln (Schoten) wachsen nah am Boden und enthalten die Samen, die als Gewürz benutzt werden. Sie werden noch vor der Reife gesammelt, um zu verhindern, dass sie während der Trocknung aufplatzen, was zum Verlust des ätherischen Öls führen würde. Das ätherische Öl wird durch Dampfdestillation der Samen gewonnen. Das gegenwärtig ertragreichste Land ist Guatemala.

Die Kardamompflanze

Kardamom ist bereits seit über 3000 Jahren ein einheimisches Gewürz, das in Indien, Sri Lanka und ganz Südostasien ausgiebig Verwendung fand und findet. Schon die Ägypter benutzten Kardamomöl für ihre Zeremonien und ihre Parfums. Später wurde das Gewürz in den Westen gebracht und wurde bei den Griechen und Römern sehr bekannt. Bereits Hippokrates erwähnte Kardamom in seinen Schriften und empfahl es gegen Ischias, Unterleibsbeschwerden, Krämpfe, Nervosität und Probleme der Atemwege. Außerdem wurde es als gutes Heilmittel gegen Epilepsie, Steifheit, Lähmung und Rheuma angesehen.

Die Ärzte der alten Schule von Salerno verschrieben Kardamom gegen Herzstörungen und erwähnten seine guten harntreibenden und magenstärkenden Wirkungen. In Südasien werden Kardamomsamen benutzt, um Zahnfleischentzündungen und Halsweh zu behandeln. Sie werden auch in verschiedenen medizinischen Pulvern und Getränken benutzt, oft zusammen mit anderen Zutaten als Abführmittel und zur Magenberuhigung.

Der einzigartige und intensiv wohlriechende Duft von Kardamom macht es zu einem ausgewählten Gewürzöl für Tees und zahlreiche Speisezubereitungen. Die Kombination seines frischen und gleichzeitig würzig-warmen, etwas holzartigen Geruchs, unterlegt mit Zitrusduft ist ebenfalls oft in der modernen Parfumherstellung anzutreffen.

Aus ayurvedischer Perspektive „regt Kardamom die Milz an, stimuliert Samana Vayu, entfacht Agni und löst Kapha aus Magen und Lungen. Es regt den Geist und das Herz an und schenkt Klarheit und Freude.“ (Vasant Lad, Yoga of Herbs, S.109)

Außerdem soll es dem Kaffee das Koffein entziehen und die schleimbildenden Eigenschaften der Milch neutralisieren. Die Eigenschaft von Kardamom ist „sattvisch und insbesondere gut für das Öffnen und Besänftigen des Pranaflusses im Körper“ (Vasant Lad, Yoga of Herbs, S.109).

Die chinesische Medizin beschreibt Kardamom als Chi-Tonikum. Sie betont einerseits ihre stärkende Wirkung auf die Lungen und auf die Milz und beschreibt sie andererseits als Nerventonikum, das dem Geist Freude schenken kann. Insofern kann Kardamom aufgrund seiner Fähigkeit, ein schwaches Chi auszugleichen, sehr wohl als Anti-Depressivum wirken.

Die Hauptwirkung des Öls besteht in der Linderung von Verdauungsproblemen. Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass Kardamom den intestinalen glatten Muskel entspannt und tonisiert. Einreibungen des Bauchs mit Kardamomöl oder 2-3 Tropfen mit Honig helfen, Magenverstimmung und Blähungen zu lindern. Es ist ebenfalls empfehlenswert bei Schwindel, Brechreiz, morgendlicher Übelkeit, Kolitis, Reizdarm, Magenverstimmung und Krämpfen (British Herbal Pharmacopea). Dr. Telphon, der französische Autor des „ABC des Huiles“ (ABC der ätherischen Öle) empfiehlt, Kardamomöl mit Kreuzkümmelöl und Pfefferminzöl mit Olivenöl als Trägeröl zu mischen, um die Verdauung zu fördern. Es wird auch zur Fiebersenkung benutzt.

Auch die erfrischenden Eukalyptolanteile des Kardamoms sind sehr nützlich – kombiniert mit anderen ätherischen Ölen wie Ravintsara, Eukalyptusöl, Speiklavendel und Nadelbaumölen – um Atemwegsproblemen wie Lungenstauung, Husten usw. vorzubeugen und sie zu lindern. Mit seinen antibakteriellen Wirkungen kann Kardamomöl auch als erfrischender Zusatz bei der Mundreinigung benutzt werden. Es wird ebenfalls bei Speisezubereitungen und zum Backen benutzt oder als Zusatz zu Kräutertees.

Da Kardamom den Geist anregt, erweist er sich als nützlich in Raumsprays und in Aromazerstäubern, um die Luft zu erfrischen und zu klären und die Atmosphäre zu reinigen. Es ist ausgezeichnet, um eine dumpfe und schläfrige Umgebung zu verändern.

Reibt man einige Tropfen Kardamomöl auf den Bauch und den Solar Plexus, so hat es eine beruhigende und anregende Wirkung. Seine erwärmend-frische Qualität macht ihn zu einem wunderbaren Öl, kombiniert mit Trägerölen, für Massagezwecke.

Kardamomöl ist tatsächlich ein wahres Geschenk von Mutter Natur. Es vermittelt Glück und hat einen belebenden Charakter, der angenehm für unseren Geist ist und gleichzeitig den Körper beruhigt. Mit seinen starken tuberkulösen Wurzeln, die tief und weit in den Boden ragen (vgl. Ingwer, Kurkuma, Galgant usw.) und zum anderen seinen kräftigen grünen Blättern, die sich zu eindrucksvoller Höhe strecken, ist Kardamom in der Tat erdgebundene Energie, erhoben zu vertikaler Erfüllung, es saugt kosmisches Licht ein, lenkt es in die Erde und konzentriert es in seinen würzigen, von der Sonne entzündeten Früchten.

Durch diese Früchte offenbart Kardamom seine wahre Natur und schenkt eine wärmende, beruhigende Energie, welche den menschlichen Stoffwechsel stärkt und gleichzeitig dazu beiträgt, den Geist zu erheben und ihn von seiner Bindung an seine materielle Struktur zu befreien. Dieses Spiel zwischen den Kräften der Erde (der Verdauung) und der Luft/dem Äther (der Atmung), wie es in seiner biochemischen Eigenart und seinen therapeutischen Eigenschaften gespiegelt wird, macht Kardamomöl zu einem einzigartigen Verbündeten für ein gesünderes und glücklicheres Leben.

 

 

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