Der Kenner mit langjähriger Erfahrung hat seinen Geruchssinn so weit ausgebildet, dass er die Qualität, Unterart, oft sogar die Herkunft eines Öls an seinem Duft erkennen kann. Doch auch die ungeübte Nase kann, vor allem wenn sie Vergleichsmöglichkeiten hat, schon durch einen einfachen Riechtest Unterschiede feststellen. Farbe, Tiefe und Bouquet des Duftes sind sehr charakteristische Eigenschaften eines Öls. Hilfreich ist auch der Vergleich des Duftes von Melisse oder Pfefferminze mit dem Duft der frischen, zwischen den Fingern zerriebenen Pflanze.

Ein einfaches, allerdings nur recht grobes Testverfahren besteht darin, einen Tropfen ätherisches Öl auf ein Zelltuch zu geben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. ätherische Öle, die Fettsäuren enthalten), sollte kein Fettfleck zurückleiben. Auch darf ein ätherisches Öl nicht nach Alkohol riechen.

Letztlich muss der Kunde das Vertrauen in „seine“ Marke entwickeln. Neben einem erfahrene Einkäufer setzt ein qualitätsbewusster Anbieter immer auch auf objektive Möglichkeiten der Qualitätskontrolle.

Wissenschaftliche Methoden zur Qualitätskontrolle

Dies sind vor allem wissenschaftliche Methoden wie die Kapillar-Gaschromatographie, die Massen-Spektrographie und die Resonanzmethode. Hier kann man die exakte chemische Zusammensetzung eines Öls bestimmen. Die Carbon-13-Methode, eine isotopische Untersuchungsmethode, ermöglicht auf der Basis des universellen Vorkommens von Carbon-13-Isotopen in der Natur einen annähernd hundertprozentig sicheren Nachweis von synthetischen Komponenten in einem ätherischen Öl. Allerdings ist auch diese Methode schon „ausgetrickst“ worden, wie es das Beispiel gepanschter Vanille gezeigt hat.

Leider ist das berühmte „GC“ (Gaschromatogramm) eines ätherischen Öls bei weitem nicht immer in der Lage, die Gesamtheit eventueller Beimischungen zu verraten. Die Gaschromatographie beruht auf dem Prinzip, in einem Glaskapillar sukzessive die einzelnen, in heißes Gas verwandelten Bestandteile eines ätherischen Öls zu verbrennen und durch Computerauswertung zu einem exakten Nachweis ihrer prozentualen Verteilung zu gelangen. Aber selbst synthetische Komponenten, die nachträglich dem Öl zugesetzt wurden, können – solange sie prozentual im richtigen Bereich liegen und im Vergleich dem chemischen Profil des Originals standhalten, kaum aufgedeckt werden. Die sog. S-19 Methoden der DFG u.a. bietet darüber hinaus die Möglichkeit, die Öle nach chemischen Rückständen zu untersuchen.

Alles in allem: Labor-Kontrollen sind notwendig und gut, vermitteln aber keine letztendliche Sicherheit. Sinnvoll ist eine möglichst regelmäßige Kontrolle direkt vor Ort beim Anbauer, der im Idealfall eine langjährige Erfahrung mit Destillation vorweisen kann und sich den Richtlinien eines biologischen Anbauverbandes unterworfen hat.

Einkaufserfahrung gibt Sicherheit

Ein erfahrener Einkäufer weiß, wo welche Pflanzen angebaut werden bzw. wild wachsen. Er kennt im besten Fall die Verhältnisse vor Ort und weiß z.B., ob die verwendeten wilden  Zypressen in einer abgelegene Bergregion oder direkt neben einer Autobahn wachsen. Er kann einschätzen, ob es sich bei einem Anbieter um einen Destillateur in einem spritzmittelfreiem Drittwelt-Land, oder um einen profitorientierten Großbetrieb handelt.

Um gute bzw. sehr gute Qualitäten anbieten zu können ist ein großer Aufwand notwendig. Jahrelange Erfahrung mit ätherischen Ölen, eine gute ausgerüstete Aromathek mit Tausenden von Mustern, zahlreiche internationale Kontakte zu Anbietern und Produzenten gehören dazu. Außerdem ein ausgeprägter Spürsinn und gute Sprachkenntnisse. Der Einkauf bei einem einzigen Großimporteur wird niemals eine gesamte Produktlinie von Hochqualität bringen können.